20. Dezember 2007

Rechtsanwältin Anke Lerche, Gabriele Karl

Flachbildschirm statt Mittagessen
Kinderarmut in Deutschland

Unfassbar - zumindest für uns - aber wahr. In einem Fernsehbeitrag eines öffentlich rechtlichen Fernsehsenders sehe ich den dreijährigen Max herzzerreißend weinend vor der verschlossenen Tür der Kindertagesstätte. Daneben steht die Mutter und präsentiert uns hier das Leid von Max. Die Kita ist für Max geschlossen, weil seine Eltern eine Entscheidung getroffen haben: Neuer Fernseher statt Mittagessen.
Die Eltern sind beide Hartz IV Empfänger und haben sich bei knappen finanziellen Mitteln entschieden, einen neuen Fernseher mit Flachbildschirm zu kaufen.
Die Raten für den Fernseher: monatlich € 43,00. Das Mittagessen für Max in der Kita: monatlich € 25,00 gestrichen!
Wir Zuschauer erfahren dann noch, dass ausreichend Spenden für Max? Mittagessen in der Kita gesammelt werden konnten.
Ich war über diesen Beitrag zutiefst erschüttert, über die Unverfrorenheit der Mutter, die scheinbar völlig ungerührt vorträgt, dass man sich eben für den neuen Fernseher entschieden hat, über die Selbstverständlichkeit, mit der hier über die elementarsten Grundbedürfnisse eines Kindes hinweggegangen wird, ohne dass daran irgendjemand Anstoß nimmt.