Opfer und deren Angehörige schreiben uns häufig Gedichte, Tagebuchauszüge oder ergreifende Briefe, die wir an dieser Stelle - natürlich nur mit Erlaubnis oder auf Bitte der Betroffenen - anonymisiert wiedergeben.

Von uns werden diese Opferschreiben gegebenenfalls um Hintergrundinformationen zum besseren Verständnis für den Leser ergänzt.

Gedicht einer Mutter an ihren ermordeten Sohn

Plädoyer eines Vaters für seinen ermordeten Sohn

Erinnerungen einer Schwester an ihre ermordete Schwester

Brief einer Schwester an ihren ermordeten Bruder

Abschiedsbrief eines Vaters im Namen seiner Tochter

Rede eines Pastors zur Beerdigung eines ermordeten Mädchens

Abschiedsbriefe von zwei Geschwistern an ihre ermordete Schwester


DER SPAZIERGANG IM SAND

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:"Herr, als ich anfing dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"
Da antwortete er:"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur im Sand gesehen hast, da habe ich dich getragen."

Von Margaret Fishback Powers
Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen
www.brunnen-verlag.de