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März 2005 Gabriele Karl Schuld und Sühne, Reue und VergebungGedanken zum Tag des KriminalitätsopfersDieses Jahr fällt der Tag des Kriminalitätsopfers in die Karwoche. Eine gute Gelegenheit, die Opferhilfe, die uns Jesus Christus am Karfreitag und an Ostern mit auf den Weg gegeben hat, aufzuzeigen. Jesus wurde, ähnlich wie viele Menschen in unserem Land, ermordet, wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Trotzdem ist sein Tod nicht mit den Verbrechen in unserer Zeit vergleichbar. Jesus war sich seines Schicksals bewusst, hat es freiwillig auf sich genommen. Unsere Kinder, die vielen Mord- und Totschlagsopfer, waren weder auf die schreckliche Tat vorbereitet, geschweige denn, dass sie sich freiwillig für diesen Tod entschieden hätten. Für uns ist es schier unmöglich, in einem Gewaltverbrechen einen Sinn zu erkennen; und trotzdem sind für Verbrechensopfer die Geschehnisse des Karfreitags von existenzieller Bedeutung. Warum? Weil hier Schuld und Sühne, Reue und Vergebung als zentrale Themen opfergerecht behandelt werden. Jesus wird mit zwei Verbrechern hingerichtet. Einer der beiden erkennt seine Schuld und bereut. Ihm erwidert Jesus (Lukas 23,43): "Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein". Zu dem anderen Verbrecher sagt er nichts. Das heißt für mich, wenn ein Mörder ehrlich bereut, kann er auf Gottes Gnade hoffen. Es heißt aber auch, wenn er nicht bereut, kann er eben nicht mit Vergebung rechnen. Die ehrliche Reue ist für Christen (übrigens auch für Moslems) unabdingbare Vorraussetzung für die Vergebung durch die Gnade Gottes. Die Mörder, mit denen ich in meiner langen Tätigkeit im Opferschutz zu tun hatte, haben allesamt nicht bereut. Es sind sogar Mörder darunter, die Selbstmord begingen; auch diese zeigten bis zum Schluss nicht die leisesten Anzeichen von Reue. Trotzdem erleben wir leider immer wieder Priester, die sogar im Rahmen der Beerdigung eines Mordopfers um Vergebung für den Täter bitten. Nicht nur, dass dies die Angehörigen des Opfers ungeheuer verletzt, es ist auch völlig unangemessen, wenn nicht sogar anmaßend. Es ist nicht die Aufgabe der Opfer, den reuelosen Verbrechern zu vergeben. Wir müssen auch nicht um deren Vergebung bitten. Unsere Aufgabe ist es, mit dem Schmerz um die Tat zu leben - und hierbei hilft uns die zentrale Osterbotschaft, die Auferstehung Jesu. Das Wiedersehen im Jenseits gibt vielen Hinterbliebenen die Kraft, ihr Leben nach dem Mord zu bestehen. Für Opfer von Gewaltverbrechen könnte die Osterbotschaft der Neubeginn in ein möglichst normales Leben ohne Bitterkeit sein. In diesem Sinne wünsche ich allen Verbrechensopfern von ganzem Herzen ein gesegnetes Osterfest. | ||