März 2005

Gabriele Karl

Mordfall Peter: Die Diskussion wird immer absurder

Der Beitrag "Jetzt ist das einfach passiert" im Münchner Merkur vom 12./13. März 2005 hat uns veranlasst, beiliegenden Leserbrief an die Zeitung zu schicken.

Ich kann nicht glauben, was ich da lese. Der Mord am 17.02.2005 an dem 9-jährigen Peter in München durch den Wiederholungstäter Martin P. hat eine teilweise wirklich absurde Diskussion ausgelöst. Einige Juristen waren sogar der Meinung, Gutachter müssten eben in Zukunft Sexualstraftäter als zumindest vermindert schuldfähig beurteilen, damit man sie in eine psychiatrische Klinik einweisen kann. Dass eine Falschbegutachtung nicht der richtige Weg sein kann, wird wohl jedem einleuchten, aber der Vorschlag der beiden Autoren Robert Arsenschek und Tobias Rösmann lässt mich an unserer Welt verzweifeln: Das Fazit der beiden: "Ein Gericht hätte überzeugt werden müssen, die Kinder aus der Familie zu nehmen." Da man die Schwierigkeit dieses Unterfangens zunächst wohl erkannt hat, führt man weiter aus: "In Anbetracht von Martin P.'s fürchterlicher Vorgeschichte hätte ein Richter aber sehr genau hinsehen müssen." In diesem Fall gab es aber außer der Gefahr durch Herrn P. überhaupt keinen Grund, die Kinder aus der Familie zu nehmen.
Haben sich diejenigen, die solche Vorschläge überhaupt andenken, eigentlich schon mal gefragt, was passiert, wenn man Kinder aus der Familie nimmt, weil sich ihnen ein Sexualstraftäter nähert? Eine inzwischen 10-jährige Erfahrung im Opferschutz hat uns eines gelehrt: Wenn sich Herr P. einem Kind, das er sich auswählte, nicht mehr nähern kann, dann sucht er sich eben das nächste Kind und das nächste und das nächste. Letztlich müssen wir also nun alle Kinder wegsperren, damit wir heranwachsende gefährliche Straftäter nicht dauerhaft wegsperren müssen. Super Vorschlag!